Sophie Scholl Schule Berlin

„Grenzen überwinden: Die Grenzen Berlins“

Wir haben uns als Gruppe für den HISTORY-AWARD beworben, da wir als Berliner Schüler einen besonderen Bezug zu dem Thema „Grenzen“ haben. Viele unserer Eltern wurden durch die Mauer von ihren Verwandten und Freunden getrennt. Durch die Auswirkungen des Kalten Krieges auf Berlin ist dieses Thema auch heute noch sehr interessant für uns. Wir wollten außerdem herausfinden, in wie fern eine Grenze zwischen Ost- und Westberlin auch heute noch existiert.
Ein weiterer Grund unserer Teilnahme ist die kulturelle Vielfalt in unserer Klasse. Da wir unter anderem eine „Europaklasse“ (einige Schüler kommen aus dem SESB- Französisch Teil der Schule) sind, haben viele Schüler verschiedene kulturelle Hintergründe.
Es hat uns gereizt zu entdecken, welchen Einfluss die Zugehörigkeit einer sozialen Schicht oder einer kulturellen Herkunft auf unsere Gesellschaft hier in Berlin hat. Natürlich nahmen wir die Herausforderung auch gerne an, um etwas Abwechslung in unseren schulischen  Alltag zu bringen.
Ein weiterer wichtiger Grund für dieses Projekt ist die Herstellung eines Bezugs vom Fach Geschichte zur Gegenwart. Leider wird im normalen Geschichtsunterricht jedes Thema nur sehr kurz behandelt. Im Rahmen des HISTORY-AWARD hatten wir jedoch die Möglichkeit, uns mit dieser Thematik einmal sehr ausführlich zu beschäftigen und nebenbei die Meinung anderer Leute zu dieser Frage zu erfahren.

Beschreibung der Vorgehensweise:
Zuallererst teilten wir uns in mehrere Gruppen auf und erstellten eine Mind-Map zum Thema  „Grenzen“, indem wir alles notierten, was uns spontan zu diesem Wort einfiel.
So kamen z. B. Gedanken wie „geographische Grenzen“, „mentale Grenzen“, usw. auf.
Nachdem wir uns darüber einigten, den geographischen Standort Berlin zu nutzen, haben wir als Ausgangspunkt die Berliner Mauer gewählt. Bei der Wahl der Fragestellung wollten wir uns jedoch auf die Geschichte nach dem Mauerfall konzentrieren.
So überlegten wir uns die Frage folgendermaßen zu formulieren:

„Mauer weg, wo sind die Grenzen heute?“

Der nächste Schritt war, zu überlegen, welche Unterthemen es geben könnte, die in Berlin aktuell sind. Anschließend haben wir Gruppen zu den uns am wichtigsten erscheinenden Unterthemen gebildet:

  • Soziale Grenzen
  • Politische Grenzen
  • Infrastruktur
  • Mentalität.


Jede Gruppe sollte Ideen ausarbeiten. Aufgrund der Menge der Vorschläge und Ideen reduzierten wir uns auf die Gruppen der sozialen- und der mentalen Grenzen. Wir arbeiteten nun Fragebögen aus und teilten uns auf verschiedene Bezirke auf. Dort führten wir Straßeninterviews und befragten Personen nach deren Meinungen. Wir gingen größtenteils auf die Unterschiede zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil des heutigen Berlins ein. Im Interesse standen die Veränderungen von der Zeit des Mauerfalls bis heute. Einige Personen ließen sich filmen, andere nur auf Tonband aufnehmen. Die Interviews wurden anschließend alle transkribiert. Dies erwies sich als sinnvoll, da die Soundqualität der meisten Ton- oder Bildaufnahmen von schlechter Qualität waren.

Bei der Auswertung der Interviews fiel uns auf, dass sich die verschiedenen Aussagen der Personen, die wir interviewten, gar nicht so stark unterschieden, wie wir ursprünglich erwartet hatten. Vor allem auf die Frage, ob es immer noch Unterschiede zwischen Menschen der damaligen DDR und der BRD gibt, bekamen wir die Antwort, es habe mit den Generationen zu tun. Viele glauben, dass die ältere Generation heute noch „die Mauer in den Köpfen“ hat, was für die Jüngeren nicht mehr zutrifft.
Auf die Frage, wo die sozialen Grenzen in Berlin liegen, hört man oft die Bezirksnamen Neukölln, Wedding, Marzahn und Zehlendorf. Zehlendorf zählt zu den sozialstarken Bezirken. Neukölln, Wedding und Marzahn zählen zu den sozial schwächeren Bezirken. Dort sind die Grenzen vor allem in den Bereichen Einkommen und Migration zu finden. Dies ist auch durch Statistiken nachzuweisen.
Unsere Recherchen im Vorfeld wurden zum größten Teil durch die Aussagen der interviewten Menschen unterstützt. Vor allem in der Frage nach den sozialen Grenzen Berlins gab es sehr viele Übereinstimmungen. Der Bezirk Neukölln, wo es mehr Menschen mit Migrationshintergrund gibt, ist laut Statistik und den Aussagen zuständiger Sozialarbeiter sozial schwächer als Zehlendorf, wo weniger Menschen einen Migrationshintergrund haben. Dies gilt auch für Wedding und Marzahn.

Wir haben uns auch die Frage gestellt, wann jemand deutsch ist, und sich als Deutscher versteht. Viele beantworteten diese Frage mit der Antwort, dass man deutsch ist, wenn man einen deutschen Pass hat und demnach ein deutscher Staatsbürger ist. Andere wiederum sind der Meinung, dass man schon deutsch ist, wenn man eine längere Zeit in Deutschland lebt und die Sprache sprechen kann. Weitere Befragte, deren Eltern z. B. nicht in Deutschland geboren sind, sagten, dass sie selbst, trotz Staatsangehörigkeit, nicht deutsch sind, sondern Ausländer.

Zum Schluss gaben wir kurze Statements zu der Frage „Wo gibt es heute noch Grenzen?“ und nahmen diese auf Video auf. Nun galt es, die erlangten Informationen mit den Interviews sinnvoll zusammen zuschneiden und unseren Film zu produzieren.

Eine Grundtendenz bei der Auswertung der Interviews und Recherchen ist, dass die Meinungen über Grenzen je nach sozialem Stand divergieren und dass unter Bezugnahme auf die Berliner Mauer die Wahrnehmung der Ost-West Grenze mit Entfernen von diesem geschichtlichen Ereignis mehr und mehr schwindet. Ein möglicher Schluss daraus ist, dass Grenzen eher zwischen sozialen Schichten spürbar werden und sich in den Köpfen manifestieren. Wir möchten in diesem Zusammenhang betonen, dass wir den Film gänzlich ohne fremde Hilfe (durch professionelle Hilfe oder Lehrer) geschnitten haben. 


Bilder des HISTORY-AWARD

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