Waldorfschule Potsdam

„Grenzen überwinden:  Der steinerne Horizont“

Potsdamer Waldorfschüler haben Dokumentarfilm über den Verlauf der Mauer zwischen Potsdam und Berlin (West) gedreht

15 SchülerInnen aus den Klassen 10 bis 12 erarbeiteten den beiliegenden Dokumentarfilm im Winter 2010/11 innerhalb von acht Wochen im Projektunterricht. Die Idee war, Jugendlichen, die unseren Film sehen, zu verdeutlichen, was diese Grenze bedeutete, welche verrückten Ge¬schichten sich in unserer unmittelbaren Umgebung abspielten und wie wichtig es ist, solche Grenzen zu überwinden.

Die SchülerInnen suchten den genauen Mauerverlauf und erkundeten ihn in Exkursionen. Sie sprachen mit Menschen, die an dieser Grenze Alltag erlebten, arbeiteten oder festgenommen wurden. Wir haben viele verschiedene Themen angesprochen und diverse Methoden benutzt. Viele beteiligte Jugendliche recherchierten einzelne Abschnitte des Grenzverlaufs, andere ver¬fassten The¬men für Off-Texte (z. B. Passier¬schein, DDR, Transit, Gründe für die Flucht etc.). Manche legten bei den Zeitzeu¬geninterviews einen Schwerpunkt, andere interessierten sich für das filmische Handwerk. Alle mussten über ihre Arbeitsschritte ein Portfolio verfassen.

Unser Dokumentarfilm „Der steinerne Horizont. Wo in Potsdam die DDR endete“ erzählt Grenzgeschichten aus verschiedensten Perspektiven in und um Potsdam von den 50er- bis zu den 80er-Jahren. Dabei kommt der DDR-Alltag ebenso zur Sprache wie spektakuläre Fluchten über die Mauer oder drunter durch oder aber die besondere Rolle der Glienicker Brücke. Wir stolperten über eine Reihe von Fragen: Warum schüchterten die Grenzer Kinder ein? Warum durfte Fr. Donner ihren ausgereisten Vater nicht mehr sehen? Warum wurde Fr. Börner, als sie sich mit 17 Jahren im Grenzgebiet verlaufen hatte, festge¬nom¬men und durfte ihre Eltern nicht anrufen? Wie sehr sich die Spannungen des Kalten Krieges beispielsweise in der Enklave Steinstücken im Kleinen auslebten, hat uns selber überrascht. Wir konnten gar nicht alle Geschichten in unseren Film aufnehmen, etwa das explo-dierende Schild an der Grenze in Klein-Glienicke oder die Haftstrafen für Grenzer, die Flüchtende nicht erschossen hatten, und viele Menschenrechts¬verletzun¬gen blieben uner¬wähnt. Aber der Alltag im Grenz¬gebiet mit Passierschein, Bespitzelung, Reglemen¬tierung wurde deutlich.

Probleme hatten wir mit Kälte und Schnee (eine Exkursion fand bei -11° C statt), mit der Auf¬nahme¬technik (die Technik wollte nicht immer so, wie wir wollten) und besonders am Ende mit der kurzen Zeit (acht Schulwochen), nicht aber mit der Motivation. – Leider musste das Interview mit dem wich¬tigsten Mauerforscher, Hrn. Hertle vom ZZF in Potsdam, ausfallen, weil er krank war. Ein weiteres Problem lag darin, dass sich der ehemalige Grenzer nur als Audiodatei aufnehmen lassen wollte, aber nicht im Bild filmen, so dass wir teils einen schwar¬zen Bildschirm zeigen mussten, teils anderes Bildmaterial dazu schnitten.

Jede/r von uns hatte seine/ihre Aufgaben zu bearbeiten und erst ganz am Ende, als wir den Rohschnitt sahen, wurde ein Ganzes daraus. Wichtige Entscheidungen wie etwa Filmtitel, Aufbau etc. trafen wir gemeinsam. Der Dokumentarfilm entstand in Zusammenarbeit mit der Projektwerkstatt „Lindenstraße 54“ und unser Kameramann mit Ausrüstung wurde von der „Stiftung Aufarbeitung“ gefördert (unsere Schule besitzt nicht das nötige Equipment). Die (Vor-)Arbeit unserer Tutorinnen beschränkte sich auf die Zeitzeugensuche und die Struk¬turierung unserer Arbeitsschritte sowie Hilfestellungen, wenn wir unsicher waren.

Unsere Erfahrungen sind ganz unterschiedlich, je nach dem, worin unser Beitrag bestand. Fabian (11. Klasse) hat „mehr über die Mauer aus der ‚Ostsicht‘ erfahren, da meine Eltern nur Geschichten von der Westseite erzählen konnten.“ Oliver (10. Klasse) hat gelernt, was für die Interviewvor¬bereitung nötig ist; Lilli (11. Klasse) fand, „das Schreiben von Texten, das Führen von Interviews und die verschiedenen Ausflüge umfassten viele Methoden / Arbeitsweisen und gestalteten das Projekt sehr vielfältig.“ Am Ende hatten wir acht Stunden Material und mussten schwer kämpfen, um daraus nur ca. 60 Minuten Film zu machen.


Bilder des HISTORY-AWARD

Partner des HISTORY-AWARD 2011

P.M. History
Focus Schule online
Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) e.V.
Sky
DOK.education
Ähnliche Seiten und weitere Links
Auf www.history.de